Gebete

Was ist beten? 

weiter gehen und beten – pilgernd auf dem Weg sein

diese Frage habe ich einigen Leuten gestellt. Hier ein paar Antworten:

Im Gebet spüre ich, dass ich nicht allein bin. Gott ist da. Er hört mich, hält mich und trägt mich. Sein Geist leitet mich.

Im Gebet bin ich unsichtbar bei den Menschen, für die ich bete.

Wenn ich jemandem etwas Gutes tu, ist das wie ein Gebet.

Manchmal freue ich mich so, dass ich einfach laut DANKE! sage – ich glaube, das ist auch beten.

Beten – das ist reden mit Gott. Und wenn ich versuche, ihm zu sagen, was mir wichtig ist, höre ich mir auch selbst zu, und vieles wird mir klarer. Und dass er zuhört, glaube ich schon, weil mir nach dem Beten oft leichter ist.

Dank – das ist für mich Gebet, aber ich bitte nie um etwas, weil es ja an mir liegt, etwas zu tun. Und wenn ich etwas nicht beeinflussen kann, dann ist es mir nicht zugedacht. (von einer Nicht-Kirchengeherin)

Wie, warum und wieso beten?

„Der Meister versammelt seine Jünger und fragt sie: ‚Wo ist der Anfang des Gebetes?‘ Der Erste antwortet: ‚In der Not. Denn wenn ich Not empfinde, dann wende ich mich wie von selbst an Gott.‘ Der Zweite antwortet: ‚Im Jubel. Denn wenn ich juble, dann hebt sich die Seele aus dem engen Gehäuse meiner Ängste und Sorgen und schwingt sich auf zu Gott.‘ Der Dritte: ‚In der Stille. Denn wenn alles in mir schweigend geworden ist, dann kann Gott sprechen.‘ Der Vierte: ‚Im Stammeln eines Kindes. Denn erst wenn ich wieder werde wie ein Kind, wenn ich mich nicht schäme, vor Gott zu stammeln, ist er ganz groß und ich bin ganz klein, und dann ist alles gut.‘ Der Meister antwortet: ‚Ihr habt alle gut geantwortet.
Aber es gibt noch einen Anfang, und der ist früher als alle jene, die ihr genannt habt.
Das Gebet fängt bei Gott selbst an. Er fängt an, nicht wir.'“

Mit dieser bei Bischof Klaus Hemmerle (+ 1994) überlieferten Geschichte beginnt der Gebetsteil des neuen „Gotteslob“, dem katholischen Gebet- und Gesangsbuch, das seit 2013 in allen deutschsprachigen Diözesen in Verwendung ist. Seine Überschrift lautet: „Im Gebet antworten“. Beten ist Antwort auf den Anruf Gottes oder einfach auf die Nähe Gottes. Der Gebetsteil versteht sich als eine „Schule des Betens“, die zum Beten hinführt und Gebetstexte als Beispiele bietet. Sie stammen von Betenden verschiedener Jahrhunderte und unserer Zeit, aus dem katholischen Gebetsschatz und aus der christlichen Ökumene und aus unterschiedlichen Gebieten unserer Erde.
Zum Beten meinen manche keine Zeit zu haben. Dabei hilft Beten gerade dabei, dem oft hektischen Ablauf unserer Zeit eine hilfreiche Struktur zu geben.
Das Beten geht im neuen „Gotteslob“ aber noch weit über den unmittelbaren Gebetsteil hinaus. Wir finden dort sehr viele Psalmen, wir finden Litaneien und Andachten für das gemeinsame Beten. Eigene Hausandachten für die Familie gibt es zum Advent, zum Heiligen Abend, für Segensfeiern und zum Gedenken an Verstorbene.
Der Gebetsteil des neuen „Gotteslob“ kann nicht alle Gebetbücher ersetzen. Sein Umfang ist beschränkt, und Beten entwickelt sich ja immer weiter. Aber er will als Schule des Betens hilfreich sein, dass wir mit dem Beten etwas anfangen können und vielleicht immer wieder mit dem Beten anfangen.
(Herbert Meßner)

Es gibt viele schöne, ausformulierte, gute, wohltuende Gebete.
Manchmal macht uns unser Leben aber sprachlos – dann kann auch Schweigen ein Gebet sein. Und wenn wir das Gefühl haben, nicht mehr beten zu können, oder den Ansprechpartner für unser Gebet verloren zu haben, hilft es vielleicht, einfach zu sagen:

Wenn ich beten könnte, täte ich es vielleicht. Weil ich es aber jetzt nicht kann, tut es sicher jemand anders. Vielleicht sogar für mich. 

oder:

Eigentlich will ich ja beten. Aber ich kann gerade nicht. Gott, gib Deinen Geist, lehre mich wieder beten. 

Die GRUNDGEBETE begleiten uns meist von Kind auf. Auch wenn wir sie oft beten, kann es sein, dass uns plötzlich ein Wort besonders anspricht, besonders hilft. Das ist mit ein Grund, warum wir so oft wie möglich ein Vaterunser oder ein Gegrüßet-seist-du-Maria beten sollten.