Warum es im Pfarrhof keine Hühner (mehr) gibt

Unsere (pensionierte) Pastoralassistentin Mag. Maria-Luise Zwölfer hat eine lesenswerte Geschichte über den Beginn ihrer beruflichen Karriere in Horn geschrieben – danke! 

Als ich vor vielen Jahren als junge Studentin der Theologie in Horn mein Pastoralpraktikum absolvierte, gab es im Pfarrhof nicht nur einen Pfarrer, zwei Kapläne (!), eine Pfarrschwester und eine Pfarrhaushälterin, sondern auch zahlreiche Kleintiere. Die jetzige Festwiese, wo der Pfarrheurige stattfindet, war damals ein Blumen- und Gemüsegarten, an der Stelle der Garage befand sich der Hasenstall, am heutigen Kinderspielplatz vor dem Pfarrsaal war das Hühnerhaus. Es hatte einen kleinen eingezäunten „Hühnerauslauf“, auf dem sich fünf glückliche Hühner tummelten. Sie sorgten nicht nur für schmackhafte Eier, sondern waren auch als so genannte „Pastoralhühner“ (Pfarrer P. Robert) für die Horner Stadtkinder gedacht. Diese fanden sich gerne vor dem Hühnerstall ein und hatten ihren Spaß daran, wenn sich die Hennen auf ihre mitgebrachten Jausenreste stürzten.
Einmal, als die Pfarrhausfrau, Gertraud Pirkopf, den Urlaub in ihrer Kärntner Heimat verbrachte, wurde ich kurzfristig mit der Versorgung der Hühner beauftragt. Sorgsam hatte ich jeden Abend das Türchen zum Hühnerstall zu schließen und morgens die schon längst vor der Glasscheibe wartenden Hühner in ihren Auslauf zu entlassen. Und obwohl ich mir bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe keines Versäumnisses bewusst bin, gelang es eines Nachts einem Marder, in den Stall einzudringen. Die Folgen waren schrecklich, und heftig war auch mein Schock, als ich am nächsten Morgen das Türchen öffnete. Keine der Hennen hatte den Angriff überlebt. So fand noch am selben Tag unter der Leitung der damaligen Pfarrschwester Thoma und Kaplan P. Josef ein trauriges Hühnerbegräbnis statt.
Natürlich konnte der Hergang dieser Katastrophe den pfarrlichen Mitarbeitern nicht verborgen bleiben. In der KAB (Kath. Arbeitnehmerbewegung) gab es einen Herrn, der Missgeschicken aller Art sorgfältig auf den Grund ging und sie in die Sammlung seiner Beiträge für die alljährliche Faschingszeitung aufnahm: Franz Mitmannsgruber (+20. September 2019).
So konnte man in der der nächsten Nummer einen Artikel lesen, den er bei mehreren Faschingsfeiern dieses Jahres genüsslich vortrug.
Darin berichtete er über eine junge Studentin, die im Rahmen ihrer Ausbildung in der Pfarre Horn gleich eine Spur der Vernichtung hinterlassen hatte. Der Artikel war – wie alle seine Beiträge – im Dialekt abgefasst und begann mit folgenden Worten.
…“wie die kummen is nach Horn, san sofort die Hühner gstorbn“.
So beginnen Karrieren. . .
Maria-Luise Zwölfer, Oktober 2019

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .