Weihe

Im 1. Petrusbrief, der von manchen Theologen als Taufpredigt verstanden wird, lesen wir: „Ihr aber seid ein ausgewähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.(1 Petr 2,9

Anselm Grün OSB schreibt über den Priester: „Der Priester ist für mich vor allem der ‚Wandler‘. Er verwandelt Irdisches in Göttliches, er macht das Irdische durchlässig für Gott, er findet Gottes Spuren in der menschlichen Wirklichkeit. Jeder von uns ist dazu berufen, das Material seines Lebens zu verwandeln, so dass göttliches Leben darin aufleuchtet.
Der Priester hat die Aufgabe, mit allem, was er ist, durchlässig zu sein für Gottes Licht und Herrlichkeit. So leuchtet in jedem Menschen Gottes Herrlichkeit auf. Nach dem 1. Petrusbrief besteht die Aufgabe darin, zu verkünden, was Gott dem Einzelnen und der Gemeinschaft Großes getan hat, wo und wie er seine Dunkelheit erhellt und ihn mit Licht erfüllt hat. Der Priester ist also Deuter und Interpret des menschlichen Lebens. Er findet in jedem Leben die göttlichen Spuren von Licht und Sinnhaftigkeit.“

Wenn die sieben Sakramente aufzählt werden, so wird das Weihe-Sakrament oft „Priesterweihe“ genannt.
Das Sakrament der Weihe hat jedoch drei Stufen: Diakonenweihe, Priesterweihe und Bischofsweihe – entsprechend den drei Stufen des kirchlichen Amtes. Diakone und Priester üben ihren Dienst als Mitarbeiter des Bischofs aus, der als Nachfolger der Apostel eine Ortskirche (Diözese) leitet. Der Kern dieses Dienstes besteht darin, im Auftrag Jesu Christi das Volk Gottes zu leiten, den Glauben zu verkünden und die Sakramente zu spenden.

Priesterweihe P. Albert Groiß OSB am 30.40.2011, Stiftskirche Altenburg

Das Weihesakrament wird durch den Bischof gespendet, indem er dem Weihekandidaten die Hände auflegt. Anschließend spricht er über ihn ein feierliches Weihegebet. Diese zentralen Gesten der Weihe werden ergänzt durch eine Fülle weiterer Riten (z.B. das Anlegen der entsprechenden Gewänder, die Übergabe des Evangelienbuches oder des Kelches); diese Riten unterscheiden sich je nach dem, um welche Stufe des Amtes es sich handelt. Die Weihe ist immer eingebettet in die Feier der Eucharistie.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) hat das Diakonat als eigenständigen Dienst in der Kirche neu entdeckt. Darum gibt es im neben den Diakonen, die diesen Dienst nur für gut ein Jahr ausüben, weil sie dann zu Priestern geweiht werden, auch „Ständige Diakone“, Männer mit einem Zivilberuf und in der Regel verheiratet. Sie üben den Dienst des Diakons nebenberuflich in ihrer Pfarrgemeinde aus.