GOLDENES PRIESTERJUBILÄUM VON P. NORBERT MARKO OSB

Diese Predigt hielt Pater Thomas Renner OSB, jetzt Pfarrer in Horn, anlässlich der Feier des Goldenen Priesterjubiläums
von Pater Norbert Marko OSB
am Sonntag, 18. 07. 2010, um 14.30 Uhr
in der Kapelle des Stephansheimes in Horn

Lieber P. Norbert! Lieber Herr Abt und geschätzte Mitbrüder! Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Der heutige Sonntag und die damit verbundene Leseordnung stellt uns im Evangelium zwei Schwestern vor Augen. Zwei ganz unterschiedliche Frauen, mit ganz individuellen Stärken, aber auch mit Schwächen, die eben ihre Beziehung belasten und zum Konflikt führen.

Lässt sich dieses heutige Evangelium in Beziehung setzen zu dem festlichen Anlass, zu dem wir in dieser Stunde versammelt sind? Ich möchte es versuchen ihnen aufgrund dieser biblischen Stelle aus dem Verhalten Jesu drei mögliche Schlüsseln zu einem guten menschlichen Miteinander aufzuzeigen, die eben auch für einen erfüllenden priesterlichen Dienst notwendig sind bis heute.

Da geht es also im Evangelium um eine ganz alltägliche Konfliktsituation, die beim vermeintlich Benachteiligten ganz konkrete Reaktionen hervorruft: man vergleicht, rechnet auf und beschwert sich über das Verhalten eines anderen. Man ist unzufrieden mit der eigenen Rolle, fühlt sich ungerecht behandelt und beklagt sich bisweilen ziemlich lautstark bei einem Dritten, in der Hoffnung, Gehör zu finden und Recht zugesprochen zu bekommen. All das sind Verhaltensweisen, die uns wenn wir eben ehrlich sind auch von uns selbst nicht fremd sind.

Vielleicht ist dies eben einer der Gründe dafür, dass gerade diese Begebenheit vielen Menschen nahe geht. Es ist ein einprägsamer und sehr markanter Text, der mit wenigen Worten und doch sehr lebendig uns einen solch bekannten zwischenmenschlichen Konflikt beschreibt.

In der traditionellen Auslegung dieses Textes wurde vor allem der Unterschied zwischen Maria und Marta hervorgehoben und die beiden als Beispiel für die verschiedenen Glaubensweisen dargestellt. Marta als Beispiel für das aktive, dienende Leben. Maria als die Verkörperung eines kontemplativen, beschaulichen Lebens, das sich ganz dem Gebet und dem Hören auf die Botschaft Jesu widmet. Das Wort Jesu vom Besseren, das Maria gewählt hat, ließ dann auch schnell die Deutung zu, dass das kontemplative Leben wertvoller sei als das aktive Leben.

Doch der Text ist so meine ich auch offen für ganz andere Deutungen, die den Fokus nicht so sehr auf die Unterschiede und das Trennende legen. Denn wie so oft ermöglichen die Worte Jesu ganz neue Wege hin zu einem Miteinander.

Das Entscheidende ist in Jesu Reaktion finden wir keine Verurteilung der einen oder der anderen Person. Seine liebende Wertschätzung gilt beiden, so unterschiedlich und zum Teil begrenzt sich diese auch verhalten mögen. Jesus nimmt beide wahr. Er lässt sich auf den Dialog mit Marta ein, spricht sie freundlich an, anerkennt ihr Tun und ihren Einsatz. Und er spürt zugleich auch die Sehnsucht und die Bedürfnisse von Maria und schenkt ihr seine Zuwendung und Nähe.

Und genau diese biblische Szene ermutigt uns, den Fokus, also unseren Blick, nicht auf das Trennende, sondern auf das Verbindende zu legen, denn in Jesu Verhalten können wir auch für unser eigenes Leben wichtige Schlüssel zu einem guten Miteinander entdecken. Und es sind eben auch Schlüssel für ein gelingendes priesterliches Wirken in der Gemeinschaft der Gläubigen.

Ein erstes heißt: STÄRKEN WAHRNEHMEN.
Maria und Marta sind ganz unterschiedlich, und doch hat jede von ihnen ganz eigene Stärken, die von Jesus wohlwollend wahrgenommen werden. Auch wir Menschen haben ganz unterschiedliche Stärken, die uns auszeichnen. Wenn es uns gelingt, diese nicht neidvoll gegeneinander auszuspielen oder uns primär auf die Schwächen des anderen zu konzentrieren, sondern den anderen in seinem Wesen und seiner Art wohlwollend und großherzig wahrzunehmen, dann eröffnen sich stets neue Wege zu einem guten Miteinander.

Wie viele solche Stärken hat auch unser P. Norbert. Diese Stärken, seine Fähigkeiten hat er immer wieder versucht in seinen Aufgabenbereichen, vor allem in der Pfarrseelsorge einzubringen. Und er hat auch immer danach getrachtet, die Stärken seiner ihm anvertrauten zu erkennen und so Menschen zur Mitarbeit und Mitverantwortung in der Pfarrgemeinde zu gewinnen. Gerade darin hat er sich immer wieder als ein vorausschauender Hirte erwiesen zum Wohl seiner ganzen Pfarrgemeinde.

Ein zweites heißt: WERTSCHÄTZUNG AUSDRÜCKEN.
Jesu Verhalten bringt beiden Schwestern Wertschätzung entgegen. Aus seinen Worten spricht keine Verurteilung. Er schlägt sich nicht auf eine Seite, sondern nimmt beide in ihren Bedürfnissen ernst. Auch wenn das Wort vom Besseren fällt, das Maria gewählt hat, unterhält er sich doch ganz auf Augenhöhe mit Marta und wirbt beharrlich auch um ihr Verständnis. Solch eine wertschätzende Haltung ist auch für unser Miteinander, trotz oder auch gerade aufgrund unserer Defizite und Begrenztheiten ein zentraler Schlüssel zu einem guten gegenseitigen Verstehen.

Auch dies hat P. Norbert als einen wesentlichen Auftrag in seinem seelsorglichen Wirken gesehen, eben nichts als selbstverständlich zu nehmen, sondern stets seine Wertschätzung auch für alles Engagement und jeden Einsatz seiner Pfarrkinder auszudrücken. Und daran werden sich wohl viele seiner Röhrenbacher Pfarrkinder erinnern es war ihm oft eine Herzensangelegenheit, seine Wertschätzung und Dankbarkeit, nicht nur materiell sichtbar, sondern auch emotional zu zeigen. Und auf vielerlei Art und Weise haben ihm auch seine Pfarrkinder ihre Wertschätzung und Dankbarkeit für sein Wirken und Sorgen als Priester und Seelsorger bei unzähligen Festen und Jubiläen gezeigt. Dafür sei auch einmal der Pfarrgemeinde Röhrenbach aus ganzen Herzen gedankt.

Und ein drittes heißt: INS GESPRÄCH KOMMEN. Jesus polarisiert nicht. Im Gespräch ist er der Brückenbauer zwischen den beiden Schwestern, denen es augenscheinlich schwer fällt, miteinander zu sprechen. Manchmal braucht es solche Vermittler, um wieder zueinander zu finden. Lebens erfahrene Menschen, die uns helfen, unsere Distanz und unsere Sprachlosigkeit zu überwinden, Es tut gut, die Nähe von solchen Menschen zu suchen, die nicht spalten, sondern verbinden und die uns ermutigen, nicht mehr nur übereinander, sonder eben wieder miteinander zu sprechen.

Ins Gespräch zu kommen ist P. Norbert nie schwer gefallen. Mit seiner steirischen Natur war er ein stets ein leutseliger Priester, der eben in Freude und Hoffnung mit den Menschen gelacht hat, aber genauso in Trauer und Angst mit ihnen geweint hat. Ins Gespräch gekommen ist er überall in der Schule, in der Pfarre, in den bäuerlichen Betrieben oder bei den verschiedenen familiären Festen und Feiern. Und gerade deshalb haben auch viele Menschen seine Nähe und seinen geistlichen Beistand in den unterschiedlichsten Lebenssituationen gesucht. So hat er ihnen geholfen auch wieder mit Gott ins Gespräch zu kommen.

Jesus hat es immer wieder geschafft, Verbindungen zu ermöglichen zwischen Gott und Menschen, zwischen den unterschiedlichen Menschen, aber auch zwischen den unterschiedlichen Aspekten des Lebens. Am Vorbild Jesu sich orientierend ist dies deshalb auch eine wesentliche Aufgabe jedes Priesters und so hat es auch unser Jubilar verstanden und versucht zu praktizieren.

Lieber P. Norbert! Wir haben deine Stärken erlebt und wir haben sie dankbar wahrgenommen und angenommen, so wie du zahlreiche Stärken deiner Pfarrkinder gesehen und gefördert hast.
Wir alle, die wir hier versammelt sind, wollen dir heute unsere Wertschätzung ausdrücken für deinen 50 jährigen priesterlichen Dienst.
Und wir danken dir, dass du mit vielen Menschen unermüdlich ins Gespräch gekommen bist und ihnen dadurch Gottes frohe Botschaft verkündet hast.
AMEN.
(Diese Predigt hielt Pater Thomas Renner OSB, jetzt Pfarrer in Horn,
anlässlich der Feier des Goldenen Priesterjubiläums
von Pater Norbert Marko OSB
am Sonntag, 18. 07. 2010, um 14.30 Uhr
in der Kapelle des Stephansheimes in Horn).
 

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