Maria Dreieichen 350 Jahre Wallfahrtsort

Feier am 15. August 2006 um 15.00 Uhr
 

Gnadenstatue wurde von Horn nach Maria Dreieichen getragen. Abmarsch in Horn war um
12.30 Uhr vom Haus  "Pfarrgasse Nr. 4"  weg.

 

D i e  P e r l e
des  H o r n e r  B e c k e n s


So bezeichnete der Heimatdichter Moriz (sic!) S c h a d e k (1840-1928) die am Westabhang des Manhartsberges befindliche und weit ins Horner Becken „leuchtende“ Wallfahrtsbasilika
M a r i a D r e i e i c h e n.

foto: maria dreieichenAm 15. August des Jahres 1656, also am „Großen Frauentag“ vor genau 350 Jahren, stellte der Horner Kürschnermeister Mathias Weingartner seine Marienstatue am „Molderberg“ bei einer markanten Baumgruppe auf (die „Drey Aichen“). Er wollte sich damit als von Gott beschenkter Beter deklarieren.
Trotz seines anfänglichen Zögerns, als Geschäftsmann aus der Modebranche in aller Öffentlichkeit eine schlichte „Waldandacht“ zu errichten, ist aus diesem Frömmigkeitszeichen im Laufe von hundert (!) Jahren durch den Zuspruch und die Spenden vieler gläubiger Menschen aller Stände und mit Förderung durch Abt Plazidus Much, Abt des zuständigen Stiftes Altenburg, und dem Grundherren, Graf Hoyos, jene prächtige barocke Zentralkuppelkirche entstanden, die noch heute alle Menschen bewundern und vom Heimatdichter poetisch beschrieben wurde

Zum 350. Jubiläum der ersten Aufstellung ließ der zum Benediktinerstift Altenburg gehörige Wallfahrtspfarrer KR. P. Robert Bösner OSB unter beratender Mitwirkung des Bundesdenkmalamtes und des Diözesanbauamtes St. Pölten den am Hochaltar der päpstlichen Basilika befindlichen Ehrenplatz der Wallfahrtsstatue restaurieren.

Das Zentrum dieser Jahrhunderte alten Wallfahrtstradition, die Statue der „Schmerzhaften Muttergottes“, stand an diesem Jubiläumstag im Mittelpunkt einer eindrucksvollen Feier.

foto: maria dreieichenDa Herr Mathias Weingartner ein Horner Geschäftsmann war, wurde nach dem feierlichen Hochamt am Feiertag, 15. August 2006, um 10.00 Uhr in der Basilika die Statue - in Erinnerung an die Anfänge – unauffällig nach Horn gebracht und erfreulicherweise durch die Horner Pfarrbevölkerung von Horn aus in Prozession über „das Gmoos“ und über Mold nach Maria Dreieichen getragen. Abmarsch war um 12.30 h vom Haus "Pfarrgasse Nr.4".
Dort wurde sie von Diözesanbischof DDr. Klaus K ü n g feierlich und in Begleitung der Männer der Feuerwehren des Unterabschnittes 3 des Bezirkes Horn in Empfang genommen und mit Hilfe der Arbeiter der ausführenden Horner Firmen am Hochaltar neu „inthronisiert“. Nach der Feier war eine Autosegnung und eine Agape.
 

Maria Dreieichen:
 Vorbereitung der Jubiläumsfeiern
„350 Jahre Maria Dreieichen-Wallfahrt“

 

foto: maria dreieichenZum 15. August 2006 - dem 350. Jahrtag des Beginnes der Wallfahrt - hat der Pfarrer der Basilika von Maria Dreieichen, KR. P. Robert Bösner OSB, ein informatives und reich bebildertes kleines Büchlein über „Dreieichener“ Wallfahrtsfrömmigkeit herausgegeben.
Darin beschreibt er an Hand mehrerer erstveröffentlichten Bilder die äusseren Zeichen der Wallfahrtsfrömmigkeit in ihrer religiösen Bedeutung:

 

 

  • z.B. den sogenannten Wallfahrts-„Umgang“ um den Hochaltar (Ambitus), als Voraussetzung für die Gewinnung des täglich möglichen „Maria Dreieichen-Ablasses“;

  • die verschiedenen Arten von Kerzenspenden: die Opferkerzen, die nicht gleich zur Entzündung bestimmt sind, sondern die man für spätere Verwendung in der Kirche stiftet, (sie werden dann bei den Altären für einen Gottesdienst verwendet);

  • die kleinen Lichtkerzen, die man in der Kerzenkapelle am eigens angefertigten Kerzenständer für die Dauer der persönlichen Besinnung und der Eintragung in das sogenannte „Fürbittenbuch“ entzünden kann und die noch eine Zeit lang weiterbrennen, auch wenn man die Basilika schon wieder verlassen hat;

  • dann die Geschenkkerzen, dh. die mit Stoßgebeten oder geistlichen Sprüchen verzierten kleinen Kerzenstumpen, die man für eine Spende als (gesegnetes) Geschenk für Freunde oder zur eigenen Erinnerung an die Wallfahrt mit nach Hause nehmen kann;

  • die Votivgaben, die man als Dank oder zur Unterstreichung der Ernsthaftigkeit einer Bitte in der sogenannten Schatzkammer aufstellen lässt.

  • Das aufschlussreiche Heftchen kann man als Ergänzung zu dem vom gleichen Verfasser veröffentlichte Büchlein über die „Geschichte der volksverbundenen Wallfahrt nach Maria Dreieichen“ ansehen, das auch einen Führer durch die künstlerische Ausschmückung der Wallfahrtskirche darstellt.
    (Verlag St.Peter,  Salzburg, 2000,  Preis: € 3,60).
    Mit den Spenden für dieses Büchlein bittet der Wallfahrtspfarrer um Mithilfe bei den Ausgaben für die Restaurierung des ganzen Hochaltares. Das Büchlein ist erhältlich am Schriftenstand in der Wallfahrtsbasilika.

Link zur Homepage der Pfarre von Maria Dreieichen     >>>   mehr

Neuentdeckung:
Betrifft: „350 Jahre Wallfahrt
nach Maria Dreieichen"
Mathias Weingartner / Pfarrgasse 4

Bei der Suche im Häuserkataster von Horn nach dem Wohnhaus des in der Gründungsgeschichte von Maria Dreieichen genannten Horner Bürgers (= Hausbesitzers) und Kürschnermeisters Mathias Weinberger wurde für die betreffende Zeit nirgends der Name Weinberger festgestellt, wohl aber ein ähnlich lautender Name, nämlich Weingartner.

Wir müssen uns daher im Zusammenhang mit der Ursprungsgeschichte von Maria Dreieichen von dem uns lieb gewordenen tradierten Namen „Weinberger" trennen. Künftige Verfasser von Kirchenführern von Maria Dreieichen müssen um der historischen Wahrheit willen stattdessen den Namen „Weingartner" verwenden.
Das ursprüngliche Vesperbild, das dann bei den drei Eichen angebracht wurde, stand somit im Krankenzimmer des Horner Kürschnermeisters Mathias Weingartner im heutigen Haus Pfarrgasse Nr. 4 in Horn.

Nimmt man Einblick in die Pfarrmatriken des 17. Jahrhunderts (Tauf , Heirats und Sterbeprotokolle) sind keine Eintragungen betreffend eine Familie Weinberger, vielmehr aber solche über eine Familie Weingartner (Geburt einer Tochter, Tod der ersten Gattin, die zweite Verehelichung u.a.) zu finden. Erst ca. 100 Jahre später trifft man auf einen Mathias Weinberger, von Beruf Müller, verstorben mit 23 Jahren.
Somit ist die historisch nachweisbare Person, die für die Aufstellung des Vesperbildes 1656 bei den drei Eichen am Molderberg (Eichberg) in Frage kommt, eindeutig Mathias Weingartner.

Kam es vielleicht zur Namensänderung, um einen Gleichklang zwischen Weinberg(er) und Molderberg oder einen eventuellen biblischen Zusammenhang herzustellen? In den meisten Religionen wird der Berg, vermutlich auf Grund seiner Höhe und des Geheimnisvollen, das ihn umwittert, als jener Punkt betrachtet, wo sich Himmel und Erde begegnen.
Oder war es einfach ein späterer Irrtum in der rückblickenden Erinnerung?

Horn, 22. 07. 2006     Walter Winkler, Archivar der Pfarre Horn

 

I n f o r m a t i o n   -   Restaurierungsarbeiten

im Zusammenhang mit dem  Jubiläum

 

2005:

vollständige. Restaurierung des Stuccos der zwei vorderen Seitenaltäre und der zwei Altarblätter von Gedon:

*Abschied  Apostel Petrus und Paulus in Rom vor dem Martyrium und 

* der hl. Kapuzinerbruder Felix von Cantalice

(Renovierungsspende der Familie Hoyos, Horn, deren Patron dieser Heilige der katholischen Reform um 1650 ist)

 

2006:

vollständige. Restaurierung des Stuccos der zwei hinteren Seitenaltäre sowie der zwei Altarblätter:

* der hl. Benedikt und die 14 benediktinischen Nothelfer
von Joh. W. Bergl (1786)

* der hl. Leopold in der himmlischen Glorie,
von Johann M. Schmidt (1786)

 

vollständige Renovierung der „Kerzenkammer“:
Fußboden, Beleuchtung der Statuen, Einbau eines kräftigen elektrischen Ventilators  und  neuer Platz für Kerzenopfer; (sowie Färbelung, Erneuerung der Möglichkeit, Andenkenbilder für die Verstorbenen anzubringen, Katalogisierung aller bisherigen Sterbebildchen nach Alphabet und Datum sowie Aufstellung eines neuen Kerzenleuchters für kleine wächserne Lichtkerzen, alles Spende einer gebürtigen Dreieichnerin, Geschäftsfrau, Schlosserarbeiten verfertigt von einem ortsansässigem Schmiedemeister).

 

Entstaubung, Entrußung, Polieren und div. Retuschen des Stuccos des ganzen Hochaltares, sowie Anbringung einer neuen Beleuchtung des Hochaltares

(Zusammenarbeit mit vom Bundesdenkmalamt anerkannten Restaurator/Innen).

 

Interview mit P.Robert Bösner OSB

 

Herr F. Bertl (Kirche bunt):

Welche Bedeutung sehen Sie als Wallfahrtspfarrer und Diözesanverantwortlicher für das Wallfahrtswesen  in der Feier des 350. Jubiläums der Wallfahrt nach  Maria Dreieichen?

 

Wallfahrtspfarrer P.Robert:

Für mich hat die Feier des 350. Jubiläums des Beginnes der Wallfahrt eine lokale, eine diözesane und eine grenzüberschreitende Bedeutung.

 

Lokal: mit der historisch begründeten Teilnahme der Stadtpfarre Horn an den Jubiläumsfeiern verwirklicht sich ein Stück von dem, was der Heimatdichter Moriz Schadek (1840-1928) über die Wallfahrtsbasilika Maria Dreieichen sagte: „Sie ist die Perle des Horner Beckens!“ Das gilt aber nicht nur im künstlerischen Sinne sondern auch im Sinne des Herrenwortes: „Ein Mann suchte kostbare Perlen und als es eine besonders schöne fand, verkaufte er alles, was er besaß, um sie zu erwerben“ Im Wallfahrtsgeschehen sind verborgene geistliche Schätze zu finden und sie können weite Bereiche des Lebens der Kirche „mobilisieren“, in unserem Falle das Horner Becken, das ja mit St. Marein („ Zu den sieben Freuden Mariens“) schon eine über 600jährige marianische Wallfahrtstradition hat. die - wie die Geschichte zeigt - Maria Dreieichen („Zu den sieben Schmerzen Mariens“) religiös den Weg bereitet hat,

 

Diözesan: Die Mutter Gottes ist immer für eine Überraschung gut!

In den ersten Tagen des aktuellen Kirchenjahres, in das unser 350. Jubiläum fällt, jährte sich der 40. Jahrtag des Abschlusses des 2. Vatikan. Konzils (7./8.Dezember 1965). Damals wurde u.a. das für mich so bedeutsame Dekret über „Dienst  u Leben der Priester“ promulgiert.

Unser Herr Diözesanbischof machte an diesem Tag eine persönliche (!) Wallfahrt zur Schmerzhaften Mutter von Maria Dreieichen und betete in seinem / unserem großen Anliegen des Aufbruchs  unserer Diözese zu Erneuerung und Glaubensausbreitung. Nicht er ging zu den Wallfahrern, um mit ihnen zu feiern, wie es sonst üblich ist, sondern er lud die Gläubigen ein, mit ihm in diesem gemeinsamen  Anliegen zu beten.

                  Die Grundidee seiner  Absichten ist es, „den Menschen bewusst zu machen, Gott ist immer da, er ist den Menschen überall nahe". Mit diesen Worten legte er sein  Anliegen am 10.März dar, als er im Landhaus die erste Phase seiner Missionskampagne präsentierte.

Wenn diese Kampagne nun am 1. August in die zweite Phase eintritt, so ist an eine Reihe weiterer, durchaus unkonventioneller Aktionen gedacht, wieder vorrangig mit dem Ziel, dass die Menschen im Alltag besser wahrhaben können, dass  Gott  immer da ist und den Menschen überall nahe ist. – Durch Plakate und eine Reihe weiterer Aktionen werden Botschaften vermittelt, die Gott ins Gespräch bringen sollen.

Die Neu- Inthronisierung der Wallfahrtsstatue auf den ihr durch 250 Jahre „zustehenden“ Platz im Schrein unseres nun renovierten barocken  Hochaltares hat in dieser zweiten Phase ebenfalls eine „unkonventionelle“ deutliche Zeichensprache.

Wieder lädt der Bischof zum Mitbeten in seinem apostolischen Missionsanliegen an diesem Tag ein; ein Tag, der in Maria Dreieichen seit 50 Jahren mit einem vollkommenen Ablass verbunden ist. Wer sich dieses Gnadengeschenk mittels der vorgesehenen Entschlüsse und Gebete (Beichte, entschlossene Abkehr von der Sünde, Empfang der hl. Kommunion  und Gebet für den Heiligen Vater) erbittet, bekommt dadurch geistliche Hilfen geschenkt, um mit größerer innerer Freiheit die Sendung der Kirche im eigenen Lebensbereich zu übernehmen.

 

Grenzüberschreitend: Immer mehr wird mir deutlich, dass die Gläubigen der kirchlichen Nachbarschaft im Norden auf unsere Diözese und auf unsere Basilika schauen, wo ein von + Papst Johannes Paul II gesegnetes Fenster mit der Darstellung der „Konpatrone Europas aus dem ersten Jahrtausend“, dem Hl. Bendikt und dem Hl. Brüderpaar Cyrill und Method, an die Verehrung dieser heiligen Patrone bei uns erinnert. Nicht von ungefähr wurden wir, hier in Maria Dreieichen und jene aus unserer Diözese, die das Anliegen werten können,  heuer vom Rektor von Velehrad zur großen Abschlussfeier der 6. Fußwallfahrt der Gläubigen aller Diözesen der Tschechischen Republik im alten Wirkungsort der beiden Glaubensboten  bei den slavischen Völkern eingeladen (Samstag, 26. August 2006. Abfahrt von Maria Dreieichen um 5.30 Uhr; tel: 02982.8253 Preis: 25,)

Was die 6.Wallfahrt seit dem Jubiläumsjahr 2000 in den Diözesen der Tschechischen Republik beabsichtigt, das geschieht in unserer Diözese durch die Missionskampagne aller, die sich von unserem Diözesanbischof ansprechen lassen; nämlich  eine „Wallfahrt“ eigener Art auf den „Weg“ des Glaubens mit und für alle Mitmenschen zu unternehmen.

 

Bertl:

Was ist das Bedeutsame der Verehrung der Schmerzhaften Mutter, wie sie ja auch anders wo in unserer Diözese (z.B. in Maria Taferl) verehrt wird?

Und was ist das Typische der 350jährigen Verehrung Mariens gerade in Maria Dreieichen ?

 

P.Robert:

Die Verehrung der schmerzhaften Mutter weckt die innere Kraft zur fruchtbaren Annahme der Jüngerschaft Jesu nach Mariens Vorbild.

 

Bei unserem „Vesperbild“  hält Maria den geopferten Jesus in ihren Händen und drückt ihn an ihr unbeflecktes Herz als Zeichen, dass sie alles, auch Opfer und stellvertretendes Leiden, an der Seite Jesu mit ihm  aushält . Zugleich ist sie jene, die zu ihm „hält“, auch wenn es kritisch geworden ist und ihn alle anderen „starken“ Männer verlassen haben. Nur der Apostel Johannes rettet durch sein Bleiben mit Maria bei dem Kreuze Jesu die „Ehre“ des Apostelkollegiums.

Zum Typischen der Maria Dreieichenwallfahrt: Entgegen allen menschlichen Erwartungen ist  in diesen vergangenen  350 Jahren die Wallfahrt unerwartet gewachsen, bis zu dem, dass wir im kommenden Jahr – so Gott will- das goldene Jubiläum der Erhebung zur päpstlichen Basilika feiern dürfen. Bildhaft gesprochen, ist in diesen 350 Jahren in Maria Dreieichen das „Wasser immer wieder bergauf ‚geronnen’.“ Details dazu kann ich Ihnen gerne bei einer Wallfahrt erzählen.

 

Genau zur gleichen Zeit als Maria Dreieichen entstand, also vor 350 Jahren,  wollte auch der katholische Grundherr von Horn, Ferdinand Graf Kurz, im Sinne der katholischen Reform aus guten kirchenpolitischen Gründen Horn zu einem Zentrum katholischen Wallfahrtslebens machen. Aber nachdem sich unter Kaiser Josef II  die staatliche Kirchenpolitik wendete (Aufklärung, Staatskirchentum), wurde jener Altöttinger Kapelle in der Horner Vorstadt die Weihe „weggenommen“ (sie wurde „exsekriert“) und dadurch zu einem zivilen Gebäude wie jedes andere Haus erklärt. Und es ist auffallend, dass damals auch die Kopie der Wallfahrtsstatue der Muttergottes von Altötting, die 1657 unter großem Aufwand nach Horn kam, 1785 einfach „verloren ging“ (Es ist das Jahr der eigenmächtigen Gründung der Diözese St. Pölten durch die „Kirchenpolitik“ des Kaisers Josef II )

Zur gleichen Zeit also, als mit höchster gräflicher Protektion die Wallfahrt in Horn gefördert wurde, trug ein Horner Kürschnermeister als Bekenntnis zu einer inneren Weisung seine wächserne Marienstatue zu einer markanten Baumgruppe am Molderberg. Es sollte ein Zeichen des Dankes an den Himmlischen Vater für gewährte Genesung sein

Alle wussten, dass sich Mathias Weingartner, ein Meister aus der Modebranche (!), religiös dazu mühselig innerlich durchgerungen hatte. Das gläubige Gottesvolk fühlte sich aber dort geistlich mehr daheim, als  bei jenem Heiligtum, wo sich  die vornehme Horner Gesellschaft einstellte.

 

Bertl:

Hat die Erinnerung an die Vergangenheit der Wallfahrt für unsere heutige Zeit noch eine echte Bedeutung oder ist das alles nur Nostalgie, Wehmut nach der Vergangenheit ?

 

P.Robert Bösner:

Jede kirchlich anerkannte Wallfahrt bezeugt ein Stück lokaler „Heilsgeschichte“ durch die Jahrhunderte. Sie ist nicht Aufbauschung religiöser Gefühle durch eine gut erfundene Legende mit einer guten und lehrhaften Absicht, sondern  Erinnerung an ein geschichtlich bezeugtes Gnadengeschenk Gottes im Alltag.

Gerade bei der Dreieichenwallfahrt zeigt sich die Geschichtlichkeit durch einen paradoxen Irrtum: besonders deutlich. Wenn der Horner Kürschnermeister eine geschichtlich Person war, dann muss man seine Personaldaten im Taufregister, im Trauungsbuch und im Verzeichnis der Verstorbenen der Pfarre Horn nachprüfen können: und die gegenständlichen Forschungen der Stadtpfarre Horn  bestätigen:  Es stimmt, dass ein Kürschnermeister um das Jahr 1656 in Horn, Pfarrgasse 4 gewohnt hat, als Witwer ein zweitesmal verheiratet war und  drei Töchter hatte. Aber gerade dadurch ist sein Name „Weingartner“ verloren gegangen.

Als ein Altenburger Pater und zwar der zweite Superior von Maria Dreieichen , P.Adrian Hofmann OSB 1752, also fast hundert Jahre später, die sog. „Ursprungslegende“ von Maria Dreieichen  verfasste, da kam auf einmal der Name „Weinberger“ auf. Denn unter den Nachfahren des Stifters der Dreieichener  Marienstatue  war niemand mehr, der diesen Namen trug (die Töchter bekamen alle durch die Heirat neue Familiennamen) und aus dem Hörensagen wurde drei Generationen später aus dem Namen des Kürschnermeisters „Weingartner“ ein Kürschnermeister „Weinberger“.

Manche Jubiläen haben es so in sich !

 

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Text: P. Robert Bösner OSB, Maria Dreieichen und P. Josef Grünstäudl.
Fotos und Gestaltung: P. Josef Grünstäudl OSB, Horn